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Transsibirische Eisenbahn 2014 - Finnland

Donnerstag, 19.06.2014 - Von Tallin nach Helsinki

Halb sechs klingelt der Wecker und ich muss raus. Die Sonne steht auch schon hoch am Horizont. Bis zum Fährhafen ist es noch ne knappe halbe Stunde zu Fuss. Beim Auschecken an der Rezeption traue ich meinen Augen nicht: Da hängen immer noch ein gutes Duzend Bierleichen am Tresen und wollen nicht ins Bett wie es scheint. Meine Fährgesellschaft ist die "Vikingline". Die haben mit 24 Euro die günstigsten Preise. Das Schiff ist nochmal ne Nummer grösser als die Athena Seaways die mich von Kiel nach Klaipeda gebracht hat. Cafe's, Bistro's, Kaufläden, Glücksspielautomaten und natürlich Duty Free Shops fehlen nicht. Wie im Monks Bunks hängen auch hier noch einige Alkoholleichen in den Sesseln. Das sind Finnen, die gestern mit der  Nachmittagsfähre nach Tallin gekommen sind um sich dort die ganze Nacht in den Bar's und Kneipen volllaufen ließen. Denn in Estland kostet der Alkohle höchstens die Hälfte. Könnte mir vorstellen, dass der eine oder andere ne Jahreskarte bei Vikingline gebucht hat.
Aber nicht nur der Alkohl ist in Finnland teurer, eigentlich alles. Mein "Eurohostel", nur 300 Meter vom Pier entfernt, kostet auch doppelt soviel wie die in Tallin. Sparen tun die Finnen wohl nur beim Wetter. Denn heute ist es bedeckt, leicht regnerisch, windig und kühl. Und die Leute in Tallin hatten Recht: Helsinki ist nicht der grosse Bringer. Die Innenstadt hat man an einem halben Tag abgelaufen. Mir war nur wichtig, den Busbahnhof zu finden von welchem mein Lux-Express Bus übermorgen nach St. Petersburg abfährt. Muss mir für morgen also ein Alternativprogramm ausdenken oder einfach mal nichts unternehmen.
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Freitag, 20.06.2014 - Helsinki

Das Eurohostel hat sogar ne finnische Sauna die man kostenfrei benutzen kann. Allerdings nur von 6-9:30 Uhr morgens. Ansonsten teuer bezahlen. Für einen Saunagang nach dem Aufstehen reichts aber schon. Auch das Frühstücksbuffett ist nicht im Preis inbegriffen. Aber es ersetzt 2 Malzeiten wenn man es am späten Vormittag einnimmt. Heute gzeizen die Finnen nicht mit dem Wetter. Es ist nur leicht bewölkt und die Sonne lacht bei kanpp über 20 Grad. Da bietet es sich an mal mit der Fähre nach Suomenlinna zu fahren. Suomenlinna ist eine 1748 auf mehreren Inseln vor Helsinki gegründete Seefestung in der man die Einflüsse östlicher und westlicher Herrschaft sehen kann. Die haben anfangs die Russen, später die Schweden und zuletzt die Finnen ausgebaut. 1991 wurde sie in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen. Die Fahrt dorthin dauert nur 20 Minuten und kostet unschlagbare 2,50 Euro (one way natürlich). Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel der Bevölkerung von Helsinki.
In Finnland gibt es keinen Wettergott. Nachmittags fängt es wieder zu regnen an. Und das am längsten Tag des Jahres wenn abends um sechs alle Läden, Restaurants und Kneipen dicht machen wegen des Mittsommer-Festivals. Da packen die Finnen ihre Rucksäcke mit Fressalien und natürlich viel Alkohol und machen sich auf zu eine der vielen Veranstaltungen. Und ich hab mich noch gewundert warum die Supermärkte alle so brechend voll waren. Mir bleibt also nichts anderes überig als den Menschenmassen hinterherzulaufen. Die gehen alle runter zum Pier um in eines der vielen Boote zu steigen die auf die vorgelagerten Inseln fahren. Dort angekommen geht's schnurstracks zum Strand  um zu picknicken. Punkt 21 Uhr werden die schon vorbereiteten Scheiterhaufen anlässlich der Sonnwende angezündet. Das mit dem Picknicken und daß es hier nichts zu kaufen gibt hat mir natürlich keiner gesagt. Mir bleibt also nichts anderes überig als das Spektakel zu betrachten.
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Samstag, 21.06.2014 - Von Helsinki nach St. Petersburg

Ab heute ist es vorbei mit dem Spassurlaub denn es geht nach russland. Weil heute Feiertag ist, ist Finnland praktisch tot. D.h. nichts geht, auch nicht die öffentlichen Busse und Bahnen. Heißt für mich, dass ich nicht günstig mit der Tram vom Hostel zzm Kamppi Busbahnhof komme sondern ein teures Taxi brauche. Glücklicherweise wartet auch schon ein japanisches Paar an der Rezeption die ebenfalls mit der Tram zum Fährhafen wollen. Das ist ungefähr diesselbe Strecke. Also teilen wir un ein Taxi. Wir sind noch nicht richtig eingestiegen da zeigt der Taximeter schon 13,80.- Euro an! Ich will doch nicht das ganze Taxi kaufen! In meinem nächsten Leben werde ich Taxifahrer in Helsinki. Finnland ins deutsche übersetzt heißt bestimmt "Teuerland". Wenn man da WC am Busbahnhof benutzen will dann kostet das auch schon einen ganzen Euro. Selbst aus Urin machen die noch Geld - die Spinnen, die Finnen!
Mein Lux Express Bus nach St. Petersburg ist wegen des Feiertags mit 6 Fahrgästen nur spärlich besetzt, macht seinem Namen aber alle Ehre. Bequeme Sitze, Stromversorgung, Internetzugang und Flachbildschirme mit Unerhaltungsprogramm ist geboten. Sogar den neuesten James Bond "Skyfall" kann man sehen - wenn auch nur in russischer Sprache. Auch die Uhren im Bus gehen schon anders. Denn St. Petersburg ist wieder ne Stunde voraus. Die beiden Busfahren sind freundlich, sprechen jedoch kein englisch. Aber hinter mir sitzt der russische Student Jevgeni. Der studiert in Helsinki, spricht gut englisch und kann mir alles übersetzen.
Gegen halb eins erreichen wir die Grenze. Die finiische Abfertigung geht ratz-fatz. Zwei Kilometer weiter warten dann die Russen. Das kann unter Umständen lange dauern meint Jevgeni. Doch die Einreiseformalitäten sind bei nur 6 Fahrgästen schnell erledigt und auch die Businspektion dauert nur 20 Minuten. Was die Grenzer genau prüfen sind die KFZ-Papiere der Autos. Denn in Russland kostet ein Gebraucht-PKW 2-3 mal soviel wie in Fiinnland. Bei der Ausreise aus Russland darf man auch nur 10 Liter Kraftstoff "exportieren" da der Sprit hier nur halb soviel kostet als bei uns.  Dass man in Russland angekommen ist merkt man gleich an den schlechteren Straßenverhältnissen und natürlich an der kyrillischen Beschilderung. Um halb vier erreichen wir dann den Busbahnhof in St. Petersburg. Jevgeni tauscht mir noch 5 Euro in Rubel um und zeigt mir wie das hier mit der Metro funktioniert. Drei Stationen weiter bis Gostiny Dvor und noch 200 Meter Fussmarsch und ich stehe auch schon vor dem "Apple Hostel Italy", meiner Unterkunft für die nächsten drei Tage. Der Laden wird von den drei Rusinnen Zlada, Ksusha und Oksana betrieben. Die sind total nett und fürsorglich. Als ich mich im Wohnbereich auf's Sofa lege bringt mir die eine gleich ein Kissen und die andere deckt mich zu. Das nenne ich mal ein Rundumsorglospaket.
Heute spielt Deutschland gegen Ghana. Das MUSS ich natürlich sehen. Hier im Hostel sind noch 3 deutsche Mädels russischer Abstammung zu Gast. Die haben gestern schon einen Tisch vor der Grossleinwand im Schwabenkeller reserviert - wie praktisch. Da schließe ich mich natürlich an. Mit von der Partie sind noch zwei weitere Deutsche aus Thüringen. Das Spiel endete leider nur 2:2, hat unserer Stimmung bei Bier und Vodka keinen Abbruch getan. Am Tisch sitzt noch ein Russe, ein Bekannter der Mädels. Von dem haben wir gelernt, dass man beim Anstoßen eigentlich gar nicht (mehr) den Ausdruck "Na-sta-rovje" benutzt, sondern "Strok-nij" sagt. Was soviel bedeutet wie "lasst uns trinken bis wir besoffen sind". Auf dem Heimweg laufen wir zum Neva Fluss um das allanächtliche Hochziehen der Brücken um 1:30 Uhr zu sehen. Deshalb, dass die grossen Schiffe auch reinfahren können. Die Brücken sind nachts toll beleuchtet. Aber was heißt Nacht, derzeit wird es hier nachts nicht dunkel. Deshalb spricht man auch von den weißen Nächten von St. Petersburg. Sollte man sich auf der falschen Seite der Brücke aufhalten hat man Pech und muss bis morgens um 5 Uhr warten. Dann werden die wieder heruntergelassen.
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