Indien 2012

08.10.2012 - 20. Tag Flug nach Mumbai (Bombay)

Auf Emirates ist Verlass und so betrete ich nach 12 Jahren mal wieder indischen Boden. Dass man in Indien angekommen ist sieht man schon bei der Landung. Die Wellblechhuetten der Slums reichen bis zum Absperrzaun des Flughafengelaendes. Hier ist es sehr schwuel und heiss. Mir treibt es den Schweiss in Stroemen raus. Und wieder muss die Uhr eine Stunden vorgestellt werden. Habe mir auch gleich ne SIM Karte fuer mein Handy am Airport zugelegt um Hotels anrufen zu koennen. Das ist hier auch ne laengere Angelegenheit denn die wollen fuer ne Prepaid Karte auch nen Vertrag mit Passbild abschliessen. Taxis vom Airport in die City kosten 550 Rupees (67 Rupee = 1 Euro). Die 30 km Fahrt dauern ueber ne Stunde da die Strassen schlecht und der Feierabendverkehr extrem hoch ist. Es wird gehupt und gedraengelt was das Zeug haelt. Die Regenzeit ist auch noch nicht vorueber. Abends um 8 oeffnet der Himmel seine Schleussen und es schuettet sintfllutartig herunter. Untergekommen bin ich iim Bentley Hotel im Stadtteil Colaba, ganz im Sueden Mumbais. Das Hotel stammt wohl noch aus der Kolonialzeit. Es hat sogar „schon“ einen Aufzug der ebenfalls aus dieser Zeit stammen duerfte. Die Bauart gleicht denen wie man sie aus den schwarz/weiss Filmen der 30er Jahre kennt: Um den Lift zu betreten muss man zwei Metallgitterschiebetueren zur Seite schieben – echt urig und funktioniert noch tadellos, wenigstens bis jetzt. Natuerlich habe ich mir gleich bei der 2. Fahrt schon die Flossen in die Gitter geklemmt. In Indien hat sich seit meinem letzten Besuch nichts veraender. Der Verkehr ist immer noch chaotisch, die Menschenmassen auf den Strassen nehmen eher zu und das Essen ist noch genauso gut wie beim letzten Mal.

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09.10.2012 - 21.Tag Mumbai

Wo koennte man eine Indien Reise besser beginnen als am „Gateway of India“ , Indiens Triumpf-Bogen in Mumbai. Erbaut 1924 diente er urspruenglich als feierlicher Landungspunkt fuer ankommende Passagiere. Daneben gleich das Luxushotel Taj Mahal Palace und Tower das vor ein paar Jahren von radikalen Islamisten angegriffen wurde.

Von der Schwierigkeit an ein Zugticket zu kommen
Fuer mein naechstes Ziel, die Stadt Udaipur im Bundesstaat Rajasthan, brauche ich noch eine Fahrkarte. Muss mal wieder ein Stueck mit dem Zug fahren. An ein Ticket in Indien zu kommen kann mitunter ne langwierige Angelegenheit sein, denn die Warteschlangenn vor den Schaltern sind lang. Deshalb gibt es in Mumbai nen Schalter nur fuer Auslaender. Der ist, wie man mir am Flughafen mitteilte, an der Mumbai Central Railway Station, also etwa 5 km ausserhalb des Zentrums von Colaba. Also ich rein ins Taxi und lasse mich fuer 80 Rupee dorthin fahren. Und ?   Natuerlich ist der Schalter nicht hier, sondern an der Churchgate Station im Zentrum, da wo ich grade herkomme   -   na Prima! Da haette ich auch zu Fuss hinlaufen koennen. Also ich wieder rein ins naechste Taxi (die kosten hier zum Glueck nichct besonders viel). Der Taxifahrer spricht sehr gut englisch, ist uebermassen freundlich und will mir gleich ne halbe Stadtrundfahrt andrehen; Das macht mich stutzig. Ich sage ihm er soll den Taximeter einschalten und mich zum Churchgate fahren. Er fummelt erst ne Weile dran rum, schaltet ihn dann ein und faehrt los. Der Taximeter dreht sich mindestens 3x so schnell wie gewoehnlich   -   der will mich wohl verarschen! Nicht mit mir. „STOP“ , bruelle ich laut und er haelt an. Ich gebe ihm die 16 Rupee Grundpreis und steige aus. Auf einmal ist die Freundlichkeit aus seinem Gesicht entschwunden und er wird wuetend. Ich erklaere ihm warum und nehme ein anderes Taxi. Doch auch der will astronomische 270 Rupee fuer ne Fahrt die nicht mehr als 80 kosten darf. Auch er bekommt die Leviten von mir gelesen und nur 100 Rupee bei der Ankunft am Churchgate. Wenn das so weitergeht werde ich noch zum Albtraum aller Taxifahrer.
Der Touristenschalter ist tatsaechlich hier und leer. Welch ein Glueck! Ich gebe das Ticket in auftrag da will die freundliche Dame meinen Reisepass sehen. Ja der ist naztuerlich im Hotel wo er hingehoert. Aber ohne Pass geht nichts. Also marschiere ich unverrichteter Dinge zurueck ihn zu holen. Eigentlich ne Sache von 20 Minuten aber ich brauche eine Stunde weil ich mich natuerlich verlaufen habe. Zurueck am Touristenschalter ist natuerlich grade Mittagspause   -   Toll! Also Warten. Nach Mittag hat es aber dann doch geklappt mit der Fahrkarte. Hat mich halt 3 Stunden Zeit gekostet!
Aber es bleibt ja noch der Nachmittag um sich mal in der Stadt umzusehen. Neben dem Taj Mahal Palace Hotel ist wohl der Sackbahnhof Victory Terminus das prunkvollste Gebaeude der indischen Raj-Architektur.

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10.10.2012 - 22. Tag Von Mumbai nach Udaipur

Heute Vormittag gehe ich noch mal zum Bahnhof rueber um mir die unglaublichen Menschenmassen anzusehen die hier tagtaeglich mit den Vorortzuegen angekarrt werden. Fast im Minutentakt rollen die Zuege ein und aus jedem steigen tausende von Menschen aus. Das ist auch ein gefundenens Fressen fuer die vielen Schuhputzer die hier ihr taeglich Brot verdienen. Wo die Leute nur alle hin wollen. Mumbai platzt eh schon aus allen Naehten. Aber hier werdne tatsaechlich 40% des Bruttoinlandproduktes ganz Indiens erwirtschaftet.
Schlage 12 Uhr heisst es auschecken aus dem Bentley Hotel, rein ins naechste Taxi und raus zum Mumbai Central Bahnhof. Mit dem Taxifahrer habe ich vorsorglich einen Festpreis von 100 Rupee vereinbart. Auch das mit dem Zug ist von der „State Railway of India“ bestens organisiert. Da werden sogar aussen an den Wagen Listen mit den Namen der mitfahrenden Personen angeheftet. Die ersten 8 Stunden geht’s in der 2. Klasse bis Ahmedabad im Budesstaat Gujarat. Praktisch ist, dass Vodafone India einem eine SMS sendet, wenn man einen neuen Bundesstaat betritt. Mir gegenueber sitzt zufaellig ein Oesterreicher mit dem ich mich mal wieder auf Deutsch unterhalten kann. Der steigt jedoch auf halber Strecke aus um einen Bekannten zu besuchen. In Ahmedabad habe ich anderthalb Stunden Aufenthalt und muss den Zug wechseln, einen 2. Klasse Schlafwagen bis Udaipur. Bis dorthin sind es aber grade mal 300 km und laut Fahrplan benoetigt der Zug 10,5 Stunden! Das ist ja ne Durchschnittgeschwindigkeit von unter 30 km/h. Und der faehrt wirklich nur so schnell, bzw. langsam. Usain Bolt koennte locker nebenhertraben. 2. Klasse Schlafwagen ist nicht grade komfortabel. Da werden einfach die Sitzbaenke umgeklappt (3 uebereinander), man legt sich drauf und pennt, so man kann. Aber besser noch als in der 3. Klasse Schlafwagen. Da sind die es Holzpritschen.

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11.10.2012 - 23. Tag Ankunft in Udaipur

Anscheinend bin ich heute Nacht doch irgendwann eingeschlafen. Denn morgens weckt mich die Sonne und das laute Geratter des Bummelzuges. Mit geringer Verspaetung kommt der Zug um 9:40 Uhr in Udaipur an. Vor dem Bahnhogsgebaeude warten schon die vielen Tuk-Tuk Fahrer. Jeder will der erste sein und sich einen Neuankoemmlung greifen. Ich waehle einen aus der gut englisch spricht, handle den Preis aus und lasse mich in die Innenstadt fahren wo die Hotels und Guesthouses sind. Hier in Udaipur herrscht gluecklicherweise ein Ueberangebot an Unterkuenften. Vor allem jetzt wo noch nicht Hochsaison ist. Die faengt erst im Dezember an. Und das ist auch gut so. Trotzdem dauert es fast 2 Stunden bis ich aus dem Ueberangebot das Hotel Minerwa ausgewaehlt habe. Udaipur soll mal die romantischste Stadt Indiens gewesen sein. Hat 800000 Einwohner und liegt schoen am Pichola See gelegen. Gleich daneben liegt der Fateh Sagar See. Beide sind etwa 2x3 km gross. Die Stadt mit den Seen liegt malerisch gelegen umgeben von einer Huegelkette. Die Altstadt am See besteht aus vielen engen, verwinkelten Gassen in denen der Verkehr mit viel Huperei trotzdem einigermassen funktioniert. Hier wurden auch die indischen Szenen aus dem James Bond Film „Octopussy“ mit Roger Moore gedreht. Den kann man, wenn man will, in einigen Guesthouses sich jeden Abend ansehen (den Film natuerlich und nicht Roger Moore). Im Gassengewirr der Altstadt habe ich mich einige Male verlaufen. Da hilft es nur nach der Richtung des Stadtpalastes zu fragen, denn der liegt direkt am Pichola-See. Eine Bootsfahrt auf dem See ist vor allem am Abend vor Sonnenuntergang zu empfehlen. Dann beleuchtet die untergehende Sonne den Palast aus seinem gelben Gestein und die Altstadt besonders schoen. Natuerlich ist diese Sunset Bootsfahrt auch teurer als tagsueber. Von der Dachtereasse der meisten Hotels hier hat man eine tolle Sicht ueber den See und den Palast.

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12.10.2012 - 24. Tag Udaipur

Auf einen der hier umliegenden Huegeln fuehrt sogar ne Seilbahn rauf. Fuer nen guten Euro hoch- und wieder runter. Man koennte schon hoch laufen aber bei der Sauna hier heisst das schwitzen, schwitzen, schwitzen . . . und dann kleben die Klamotten wieder am Leib. Also doch die Seilbahn nehmen. Und am Besten morgens dann hat man die Sonne im Ruecken und ne tolle Aussicht ueber die Stadt und den Pichola See. Ausserdem herrscht hier oben absolute Ruhe – endlich mal kein Gehupe mehr.
Am Nachmittag mache ich mich auf auf die andere Seite des Sees. Da ist ein Nationalpark. Auf dessen hoechster Erhebung hat man 1880 den „Monsunpalast Sajjangarh“ gebaut, der allerdings nie benutzt wurde da es nicht gelang Wasser raufzupumpen. Aber man kann rauffahren und hat noch ne bessere Uebersicht auf die Stadt und die beiden Seen als vom „Seilbahnberg“. Bin direkt in die Arme einer indischen Reisegruppe von indischen High School Absolventen der Fachrichtung Medizin aus dem Bundesstaat Chattisgarrh gelaufen. Die sind sehr kontaktfreudig und suchen das Gespraech. Und im Handumdrehen stehe ich mitten im Gruppenfoto und auch sehr viele Einzelfotos mit mir als „Alien“ sind gewuenscht. Natuerlich wollen auch alle meine email Adresse haben. Bin mal auf die Mailflut der naechsten Tage und die Anzahl der Freundschaftsanfragen im facebook gespannt. Auch nen kostenlosen Religions- und Sozialkundeunterricht geben mir meine indischen Freunde. Neben der Amtssprache Hindi gibt es weitere 2000 Sprachen und Dialekte in Indien. Der Hinduismus dem 85% der Inder angehoeren, umfasst hunderte von Goettern und Goettinnen. Die 3 groessten sind Brahma der Schoepfer, Vishnu der Erhalter der Weltordnung und Shiva wegen seiner zerstoererischen Kraefte. Herausbekommen habe ich jetzt auch warum die Kuehe hier so heilig und unantastbar sind: In ihnen leben 56 der wichtigsten Gottheiten des Hnduismus. Deswegen wird eine Kuh nie geschlachtet oder gar gegessen, sondern von allen gefuettert, gehegt und gepflegt. Und sollte sie mal krank werden gibt’s nicht etwa den Gnadenstoss sondern man bringt das liebe Vieh zum Tierartzt. Auch das Leben jeder Kuh hat mal ein Ende, dann wird sie feierlich verbrannt. Gehalten werden sie nicht etwa in Staellen sondern die laufen ueberall frei herum, auch innerhalb der Staedte. Und will ne Kuh dann mal eine Strasse ueberqueren, oh Wunder, haelt der Verkehr artig an, die Huperei verstummt und man laesst den Wiederkaeuer passieren &nbsp -   ES GEHT DOCH !!   In meinem naechsten Leben moechte ich auch ne Kuh in Indien werden. „Meine“ Inder hier zu treffen hat letztlich auch was gutes fuer sich denn die nehmen mich mit ihrem Bus zurueck nach Udaipur, d.h. ich spare mir ein Taxi.

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13.10.2012 - 25. Tag Von Udaipur nach Jodhpur

Schon frueh um sieben heisst es heute raus aus der Fall und ab zum Busbahnhof. Auf der Fahrt dorthin traue ich meinen Augen kaum: Eine Gruppe Maenner laeuft halbnackt, einige sogar splitternackt durch die Strassen. Muss mich mal erkundigen was es damit auf sich hat. Die naechste Station in Rajasthan heisst Jodhpur und liegt 260 km noerdlich von Udaipur. Das 2. Klasse Ticket habe ich noch schnell gestern Abend im Reisebuero um die Ecke meines Minerwa Hotels gebucht. Hat auch nur 200 Rupee gekostet, also umgerechnet etwa 3 Euro. Aber schon beim ersten Anblick des Busses haette ich mir gewuenscht etwas mehr Geld fuer einen moderneren Reisebus zu investieren. Und der Eindruck taeuscht nicht denn der Bus ist von aelterer Bauart und hat noch Blattfedern, also praktisch keine Federung. Bei den schlechten Strassen und vielen Schlagloechern in Indien kommt es mir so vor als saesse ich auf einer 10 Meter langen Ruettelplatte. Und die Ruettelei dauert 7 Stunden. Dagegen gleicht der Bummelzug von Vorgestern der Fahrt in einer Saenfte. Meter um Meter, Kehre um Kehre arbeitet sich die Ruettelplatte den Gebirgszug noerdlich von Udaipur hoch um danach mindestens genauso langsam wieder runterzufahren (Vorsicht Bremsen!). Die Ruettelplatte ist zur Haelfte ein „Sleeperbus“, heisst soviel da sind sogar Betten drin (jeweils immer 2 uebereinander). Wie soll man bei der Schuettelei nur schlafen koennen? Je laenger die Fahrt geht, desto schlechter werden die Strassen, teilweise sogar sind die sogar gaenzlich unbefestigt. Wahrscheinlich hat der Bus deswegen Blattfedern, eine normale Federung wuerde dieser Ralleystrecke nicht standhalten. Manchmal geht es nur im Schritttempo voran. Dagegen faehrt der Usain Bolt Gedaechtniszug von vorgestern im Eiltempo. Spaetestens jetzt ist klar: Ich bin angekommen in Indien. Werde bei der naechsten Fahrt wohl doch wieder auf die gute, alte Eisenbahn zurueckgreifen. Das muss man den Englaendern lassen: Das Streckennetz haben sie gut ausgebaut in der Kolonialzeit. Auf einem Sreckenabschnitt hocken hordenweise Affen am Strassenrand herum. Habe noch nie so viele auf einmal gesehen. Ich glaube die vermehren sich hier wie die Ratten. Und die weichen auch trotz Hupen nicht immer aus. Was das ein- oder andere Mal eine Vollbremsung zur Folge hat. Auf dem letzten Streckenabschnitt wird die Strasse dann wieder modern und 2-spurig. Und schon werden Mautstellen gebaut. Mein Hotel in Jodhpur heisst Discovery Guesthouse und befindet sich Mitten in der Altstadt unterhalb des alten Meherangarh Forts. Von der Dachterasse kann man die ganze Stadt ueberblicken.

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14.10.2012 - 26. Tag Jodhpur

Nach der „weissen Stadt“ Udaipur bin ich jetzt in der „blauen Stadt“ Jodhpur gelandet. Und tatsaechlich sind in der Altstadt sehr viele Haeuser blau angestrichen. Die Farbe ruehrt daher, dass man zur sonst ueblichen Kalktuenche Indigo beigemischt hat. Das soll als Insektenschutzmittel wirken und vor Termiten und anderem Ungeziefer schuetzen. Doch ich glaube die haben besonders hier in der Altstadt ein ganz anderes Problem. Und das ist hygienischer Art. Habe noch nie so ne dreckige Stadt in Indien gesehen wie Jodhpur, und ich habe schon einige andere Staedte gesehen. Da liegen ueberall Kuhfladen und Hundekot herum, der Muell tuermt sich am Strassenrand und wird bestimmt nicht jeden Tag weggebracht. Ausserdem besteht das Entwaesserungssystem weitestgehend aus kleinen, ueberirdischen Kanaelen die nicht regelmaessig gesaeubert werden wodurch die Kloake vielerorts zum Stehen kommt. Also alles in allem eine einzige hygienische Kathastrophe. Und von morgens bis abends tausende von Menschen auf den Strassen. Da sind Krankheiten und Seuchen vorprogrammiert. Ungeziefer und Ratten gibt’s massenweise. Und das alles in noch viel engeren Gassen als in Udaipur. Die sind so eng, dass Autos nicht mehr durchkommen und Tuk Tuks und Motorraeder auch nicht ueberall. Ausserdem fahren die wie die Gestoerten durch das Gassenlabyrinth und Hupen ununterbrochen. Zu dem Gestank des Unrats, der Kloake und des Kuhdungs kommen also noch die ungefilterten Abgase der Mopeds dazu. Schaetze mal die 3 groessten Todesurschaen sind hier Krankheiten, Lungenkrebs oder Motorradunfall. Auch mein Guesthouse Besitzer hatte heute nen kleineren Unfall mit mehreren Schrammen an Kopf und Armen. Wenn man das Hygieneproblem loesen koennte und aus der Altstadt ne Fussgaengerzone machen wuerde haette das Staedtchen wirklichen indischen Flair zu bieten. Denn hier gibt’s wirklich all das zu sehen und zu kaufen was Indien so bekannt macht: Gewuerze, Tuecher, Marionetten, Schneidereien, . . . . na ja und vieles mehr eben.
Aber Udaipur hat auch seine schoene Seite. Steigt man 3 Stockwerke hoeher auf die Dachterasse des Guesthouses oder eines Restaurants so kann man sofort diesem Dreck und hektischen Treiben in den Gassen entfliehen. Denn die Ruhe oben wird nur alle paar Stunden vom Muhezin unterbrochen der die moslemische Minderheit zum Gebet aufruft. Der Blick auf die Altstadt mit den blauen Haeusern und das majestaetisch auf einem hohen Felsen liegende Meherangarh Fort sind ueberwaeltigend.
Meherangarh Fort
Das komplett erhaltene mittelalterliche Fort war ueber hunderte von Jahren der Sitz saemtlicher Maharadschas von Rajasthan. Es liegt 120 Meter ueber der Altstadt, in ihm befinden sich Palaeste. Teile der Batman Trilogie „The Dark Knight Rises“ wurden hier 2011 gedreht. Das Fort ist nicht bewohnt. Bin zwar kein Museumsgaenger aber die Audiofuehrung durch das Fort und das Museum sollte man sich nicht entgehenlassen.
Einen Tag in diesem „Dreckloch“ (sorry fuer den Ausdruck) sind wirklich genug. Und so nehme ich heute gegen Mitternacht den Zug von Jodhpur nach Jaisalmer, 300 km westlich von hier. Vor dem Bahnhofsgebaeude liegen schon hunderte von Menschen und pennen mehr oder weniger im oder neben dem Muell. Auf den Bahnsteigen wimmelts auch nur so von Menschen. Der Abfall aus den Zuegen und den Bahnsteigen landet direkt auf oder neben den Bahngleisen. Da kann man nachts dem munteren Treiben der Ratten zusehen. Die stuerzen sich sofort auf alles was dort hingekehrt oder geworfen wird. Kein besonders appetitlicher Anblick sollte man das Abendessen auf einen der Fastfoodlaeden auf dem Bahnsteig verlegt haben. Auch im Zug geht’s drunter und drueber. Der ist voll belegt und alle wollen gleichzeitig rein und ihre Betten, besser gesagt Pritschen, belegen. Nach ner Weile habe ich dann auch meine Pritsche gefunden und mich endlich auf Ohr gehauen.

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15.10.2012 - 27. Tag Jaisalmer

Zur unchristlichen Zeit morgens um halb sechs wird man geweckt und mehr oder weniger aus dem Zug geworfen – „Endstation! Jaisalmer!“ Der unangenehme Teil kommt jetzt, denn am Bahnhof warten schon zig Schlepper die einen mit zu ihrem Hotel zur Einquartierung bringen wollen. Aber man kann sich das auch zu Nutze machen indem man mit irgendeinem mitfaehrt in die 2 km entfernte Innenstadt und sich dann ein Hotel selbst sucht. Letztendlich bin ich im Shahi Palace Hotel gelandet und das war ne gute Wahl. Saubere, relativ komfortable Zimmer und ne tolle Dachterasse mit Blick auf die Stadt und das Fort.   Richtig! Auch hier gibt’s ein Fort auf nen nicht ganz so hohen Felsen gebaut wie in Jodhpur aber trotzdem schoen anzusehen. Und darin gebaut ist die Altstadt. Es empfiehlt sich jedoch ausserhalb zu wohnen, da die Altstadt unter notorischem Wassermangel leidet. Denn Jaisalmer ist ne Wuestenstadt in der „Grand Indien Desert“, der Wüste Thar, ueber 100 km weg der Zivilisation. Von hier sind es noch etwa 150 km bis Pakistan. Nach der weissen Stadt Udaipur und der blauen Stadt Jodhpur bin ich jetzt in der „goldenen Stadt“ Jaisalmer gestrandet. Denn die Haeuser und das Fort sind mit gelben Sandsteinen gebaut. Urspruenglich war das mal ne Handelsniederlassung mit vielen reichen Kauflaeuten auf einer Handelroute nach Vorderasien. Die Stadt verlor jedoch an Bedeutung als Mumbai zur Hauptstadt erklaert wurde. Hier ist es viel ruhiger und auch etwas sauberer als in Jodhpur. Und das ist auch gut so. Deswegen ist die Stadt nicht uninteressant. Im Gegenteil. Vor allem die Frauen tragen hier knallrote, -gelbe oder –orangene Schleier und Saris. Die Maenner tragen gleichfarbige, grosse Turbane und schwungvoll gezwirbelte Schnurrbarte. Neben dem Fort sind als touristische Attraktionen vor allem die sogenannten „Havelis“, ehemalige Wohn- und Geschaeftshaeuser der zu Reichtum gekommenen Händler sowie ein paar Tempel.

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16.10.2012 - 28. Tag Kamelsafari in der Wüste Thar

Jaisalmer ist unter den Touristen vorf allem auch bekannt als Ausflugsziel fuer Kamelsafaris. Fast jedes Hotel hier bietet welche an. Natuerlich auch „mein“ Shahi Hotel. Deshalb geht’s heute raus mit dem Jeep kilometerweit immer Richtung Westen tief in die Wueste Thar. Mit von der Partie sind noch 2 US-Amerikanerinnen. Irgendwann halten wir an und da wartet auch schon der indische Guide mit den Kamelen. Um aufsteigen zu koennen gehen die runter in die Knie. Sonst waere das schwierig bei der Hoehe. Saettel sind auch draufgeschnallt und schon kanns losgehen. Der Ritt ist nicht mal so sehr schwankend wie ich mir das vorgestellt hatte. Und das obwohl ein Kamel „Rambo“ und ein anderes „King Kong“ heisst. Am Spaetnachmittag erreichen wir dann die „richtige“ Wueste so wie man sich vorstellt mit Sandduenen. Naechtigen werde ich hier draussen nicht, denn um 23:30 Uhr geht schon meinn Zug weiter zur naechsten Station, der Stadt Ajmer. Nach dem Sonnenuntergang kommt der Fahrer vom Hotel mit dem Jeep und holt mich wieder ab. Puenktlich um 23:30 Uhr verlaesst der Nachtzug Jaisalmer mit mir an Bord. Wieder 2. Klasse Schlafwagen aber diesmal zum Glueck nicht auf den letzten Platz voll.

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17.10.2012 - 29. Tag Von Jaisalmer nach Ajmer

1,5 Stunden Aufenthalt und danach weitere 6 Stunden mit nem anderen Zug nach Ajmer. Doch das Tagesziel heisst nicht Ajmer sondern das 15 km noerdlich gelegene kleine Staedtchen Pushkar. Mitten im Staedtchen liegt ein kleiner See der eine der als eine der heiligsten Staetten Indiens gilt. Vor allem im Oktober und November zu den Vollmondzeiten stroemen hier unzaehlige Pilger her, da das Seewasser dann die Seele von saemtlichen Befleckungen reinigen soll. Habe mir auch den Spass gemacht an so einer „Reinigung“ Teil zu nehmen und danach ein paar Euro gespendet (die wollten tatsaechlich ne Stange Geld von mir haben!). Rings um den See sind 52 Treppen, sogenannte Ghats, die ins Wasser fuehren – eine fuer jeden rajasthanischen Maharadscha. Als Anlass dieser Festlichkeiten findet hier jaehrlich immer der groesste Kamelmarkt der Welt statt. Tausende von Haendlern bieten dann etwa 50000 Kamele, 20000 Perde und 100 Elefanten zum Kauf an. So ein Kamel kostet grade mal 30000 Rupee, also nicht mal ganz 500 Euro. Das koennte man sich hier doch glatt also Fortbewegungsmittel leisten. Fressen tut’s eh alles das was waechst und aufgetankt werden muss es nur alle 30 Tage mit Wasser! Das Fest lockt fast genauso viele Touristen an wie Kamele an, sodass die Unterkuenfte knapp werden. Der Kamelmarkt ist aber erst Ende November dieses Jahr. Den werde ich hier nicht mehr zu sehen bekommen. Wirklich schade. Dafuer gibt’s freie Unterkuenfte in Huelle und Fuelle was natuerlich die Preise drueckt. Am Ende bin ich im „Hotel Shree Palace“ gestrandet. Das hat sogar nen kleinen Pool. Und der ist auf den ersten Blick relativ sauber, fuer indische Verhaeltnisse. Heisst soviel man kann den Grund des Pools sehen.

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18.10.2012 - 30. Tag Pushkar

Heute schaue ich mir das Staedtchen Pushkar mal etwas genauer an. Noch mehr als Touristen sieht man hier hinduistische Pilger die sich am oder im Pushkar See im wahrsten Sinne des Wortes die Seele reinwaschen wollen. Manche baden sogar komplett darin. Dies wird in speziellen Pujas von in Pushkar ansässigen Brahmanen vorgenommen. Wenn man dran glaubt kann man sich vielleicht die Seele reinwaschen, den Koerper sicherlich nicht. Denn das Wasser ist so verschmutzt, dass man bestimmt dreckiger wieder rauskommt als dass man rein steigt. Aber interessant anzuschauen diese Reinwaschungen. Und vor allem die unterschiedlichen Typen von hinduistischen Pilgern. Will man runter an den See so geht das nur ueber eine der vielen Treppen rings herum, den sogenannten Ghats. Und da muss man sich vorher die Schuhe ausziehen. Ist auch nicht weiter tragisch, aber den heiligen Kuehen verwehrt trotzdem niemand den Zugang zum Wasser. Und die hinterlassen natuerlich immer einiges auf den Treppenstufen oder im Wasser was man dann zwangsweise barfuss „aufsammelt“. Habe es Stand heute waehrend meines Aufenthalts in Indien vermeiden koennen eine dieser „Tretmienen“ auszuloesen. In den engen Gassen rings um den See haben sich hunderte von Souvenirshops, Travel Agencies, indische Fast-Food Laeden, Restaurants und Internet Cafes angesiedelt. Eine recht lockere Athmosphaere waeren nicht auch hier die nervigen Mopeds und Tuk Tuks mit ihrem Gedraenge und staendig uebertriebenem Gehupe.
Am Rand der Stadt steht ein vulkanartiger heiliger Berg mit nem Tempel oben drauf. Und der ist das Ziel fuer den Spaetnachmittag. Zusammen mit drei anderen Gaesten des Hotel Shree Palace steigen wir die endlosen steilen Natursteintreppen rauf um die Aussicht mit dem Schein der Abendsonne auf Pushkar und den See zu geniessen. Der Ort hier hat nur Vorteile: Keine Mopeds, keine Gehupe, keine heiligen Kuehe bzw. Kuhfladen. Hier laesst sich’s aushalten.

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19.10.2012 - 31. Tag Von Pushkar nach Jaipur

In Pushkar hat es mir gut gefallen. Schoenes, ueberschaubares, heiliges Staedtchen mit Flair. Um 10 Uhr checke ich aus und um 12 geht’s zurueck mit demselben alten, klapprigen Bus nach Ajmer. Und von dort mit dem Zug nach Jaipur. Die Warteschlangen an den Fahrkartenschaltern sind lang. Komischerweise stehen da nur Maenner an. Kurze Zeit spaeter weiss ich auch warum. Denn die Frauen druecken sich immer ganz vorne in die Schlange direkt an den Schalter rein. Offensichtlich duerfen die das hier denn niemand protestiert. Hab mich dann auch nichts zu sagen getraut. Aber wo bleibt da die Emanzipation des Mannes? Es gibt aber auch Maenner die meinen sie koennten sich vorne reindraengen – doch nicht mit mir. Die weise ich entschieden zurueck! Endlich bin ich dran und die Dame verkauft mir ein Ticket fuer 50 Rupees mit dem naechsten Zug in einer Viertelstunde. Eigentlich wollte ich ne Sitzplatzreservierung doch das hat sie nicht so richtig verstanden. Ich eile auf den Bahnsteig 2 grade noch rechtzeitig in einen der voellig ueberfuellten Wagen und schon faehrt der Zug ab. Man kann auch waehrend des Abfahrens noch aufspringen denn es gibt keine Tueren. Und falls doch, sind die immer offen. Sitzplaetze gibt’s schon lange keine mehr. Auch die Gepaeckablagen und der Boden sind schon voellig von Personen belegt. Nur auf dem Dach sitzt noch keiner. Irgendwo quetsche ich mich mit meinem Gepaeck dann dazwischen und setze mich auf den Rucksack um nicht 2 Stunden lang eingequetscht stehen zu muessen. Noch mehr Leute gehen wohl nur dann rein, wenn man nsie vorher durch den Fleischwolf dreht. Eins ist klar: Ne Fahrkarte haette man nicht kaufen muessen denn der Schaffner kommt da eh nicht durch. Aber bei 50 Rupee Fahrpreis, umgerechnet 80 Cent, wollen wir mal nicht meckern. Aber man muss auch mal so reisen wie die Inder das tun um das mal mitzuerleben. Zwischen den vielen Menschen drueckt sich noch ne 2-Mann Combo Band mit Rassel und Trommel singend und spielend durch den Zug. Doch das laute Geknatter und das immer wieder blasende Horn des Zuges uebertoent die Band bei weitem. Und die wollen auch noch Geld fuers Spielen – von mir gibt’s nix! Aber die Band sind nicht die einzigen die im Zug Kohle machen wollen. Eine Frau in traditionellem Rajasthan Sari verteilt Zettel an die Reisenden mit irgen welchen Spruecken drauf um sie kurze Zeit spaeter wieder einzusammeln und je 10 Rupees zu kassieren. Aber wieder gibt’s von mir nix denn ich kann kein Hindi lesen. Als der Zug nach 2 Stunden dann endlich in Jaipur ankommt ist das Chaos perfekt denn die Endstation ist nicht hier. D.h. viele wollen den Zug verlassen und muessen sich durch die Menschenmenge kaempfen und wieder viele neue Passagiere koennen es nicht erwarten und wollen schon rein in den Zug. Mit der Masse meines Rucksacks auf dem Ruecken und aller Gewalt schaffe ich es dann doch aus dem Wagen zu kommen, nicht ohne 3 oder 4 andere mit herauszureissen die vielleicht gar nicht aussteigen wollten. Aber egal – ich bin jetzt erstmal raus! Der ersten Hoelle entkommen wartet schon die zweite vor dem Bahnhofsgebaeude (Hoelle ist etwas uebertrieben). Das sind die Schlepper und Tuk-Tuk- und Rikschafahrer die mir ubedingt ein Hotel oder nen Transport verkaufen wollen. Aber auch die kann ich abschuetteln. Denn mein vorher reserviertes Hotel, das Karni Niwas, ist nur wenige hundert Meter vom Bahnhof entfernt. Und das schaffe ich auch nocht zu Fuss und mit Gepaeck. Die Taxis wollten doch glatt 150 Rupees, also 5x soviel wie ueblich.

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20.10.2012 - 32. Tag Die rosarote Stadt Jaipur

Ja, richtig gelesen ! Nach der weissen Stadt Udaipur, der blauen Stadt Jodhpur und der gelben Stadt Jaisalmer bin ich nun in der rosaroten Stadt Jaipur angekommen. Denn rosarot ist Rajasthans traditionelle Farbe. Aus Gruenden der Gastfreundschaft zu Ehren des Besuchs von Prinz Albert von England 1876 erhielten viele Haeuser und Bauwerke einen Anstrich dieser Farbe. Die wird auch immer wieder regelmaessig aufgefrischt. Zuletzt im Jahr 2000 zu Anlass des Besuches des ehemaligen US-Praesidenten Bill Clinton. Davon betroffen ist hauptsaechich die Altstadt Badanpura. Die ist mit etwa 3x2 km relativ gross und weitlaeufig. Rein kommt man ueber mehrere grosse Tore (Gates). Mehrere Strassen wurden fuer den Verkehr gesperrt und zu Fussgaengerzonen umfunktioniert. Das gibt’s sonst nirgends in Indien. Muesste man dringend in anderen Innenstaedten auch durchsetzen. Endlich mal in Ruhe durch die Strassen flanieren ohne gleich von hinten ueberfahren oder von einem Horn oder Hupe von der Strasse geblasen zu werden. Denn Jaipur ist alles andere als ruhig; liegt 300 km suedwestlich von Delhi und hat immerhin 3 Millionen Einwohner. Das bekannteste Wahrzeichen der Stadt ist wohl der Hawa Mahal, der „Palast der Winde“. Er wurde 1799 gebaut, damit die Hofdamen unbeobachtet die koeniglichen Strassenprozessionen entlang des Bazars sehen konnten. Gleich nebenan kann man das „Jantar Mantar“ besichtigen. Es ist ein grosses Observatorium aus dem 16. Jahrhundert des Hobbyastronomen Jai Sing II. Prunkstueck ist wohl eine Sonnenuhr die schon vor knapp 300 Jahren die lokale Uhrzeit in Jaipur auf 2 Sekunden genau angezeigt hat. Und wer dann noch Lust hat kann sich die Albert Hall und das sich darin befindende Museum ansehen. Ich aber bin kein Museumsgaenger. Das Gebaeude selbst gibt mehr her als die Ausstellung.
Bin heute Nachmittag zum nahe gelegenen Bahnhof gelaufen um mir Zugtickets fuer die naechsten Ziele in Agra, Delhi und Varanasi zu besorgen. Denn ab Mitte naechster Woche beginnt das mehrtaegige hinduistische Lichterfest Diwali. Und da wollen alle Inder in die Heimat reisen. Sprich: Die Zug- und Bustickets werden rar und die Zuege und Busse noch voller als sie ohnehin schon sind. Also deshalb ne Woche vorher buchen. Gluecklicherweise gibt’s auch in Jaipur einen Fahrkartenschalter nur fuer Auslaender. Alles andere haette ich nicht ueberlebt. An den anderen 10 Schaltern ist der Menschenandrang so gross, dass die Warteschlange bis auf die Strasse raus reicht. Um ein Zugticket zu bekommen muss man zuerst Antragschen mit Zugnummer, Datum, Uhrzeit, Bestimmungsort, Adresse, und und und . . . ausfuellen. Dem habe ich aber vorgebeugt und die in Frage kommenden Zuege schon gestern abend aus der Internetseite der „State Railway of India“ herausgeschrieben. Ich haette gerne Online gebucht aber das geht nur mit indischen Kreditkarten. Aber auch hier am Auslaenderschalter hat’s dann nach ner Weile doch geklappt mit den Tickets. Beachten sollte man jedoch, dass man einen Sitzplatz nicht reservieren kann. Wer zuerst kommt malt zuerst. Nur Schlafwagenplaetze koennen reserviert werden, auch wenn die Fahrt nur am Tag ist. Also immer Schlafwagen buchen auch wenn’s ein paar Cent mehr kostet! Die drei Zugfahrten mit der Gesamtentfernung von ca. 1400 km haben mich dann grade mal 8 Euro 15 Cent gekostet. Da kann man zur Not auch mal ne Fahrt ausfallen lassen.

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21.10.2012 - 33. Tag Amber Fort – Durga Mata Festival

Da die Sache mit dem Fruehstueck gestern im Hotel nicht geklappt hat (bin nach 1 Stunde Wartezeit einfach gegangen), wird das auch heute zumindest im Karni Niwas Hotel auch ausfallen. Aber ansonsten bich ich mit dem Hotel ganz zufrieden. Komischerweise gibt es in keinem Hotel in Indien weibliche Angestellte. Hotelsache ist wohl nur Maennersache. Schade eigentlich, denn immer bei der Ankunft nur in dunkle, unrasierte Gesichter an der Rezeption zu schauen ist nicht unbedingt einladend und vertrauenerweckend. Nachdem ich gestern den relativ grossen Innenstadtbereich abgelaufen bin (bestimmt 10 km), werde ich mir heute die sehenswerten Dinge ausserhalb der Stadt vornehmen. Das geht natuerlich nicht mehr zu Fuss. Gleich um die Ecke vom Hotel quatscht mich ein Tuk-Tuk Fahrer an. Die quatschen einen immer an, denn zu tun haben die meisten eh nichts. Ich handle mit ihm nen Preis von 300 Rupees fuer die ersten drei Ziele aus und er faehrt los. Erster Stop nochmals am Hawa Mahal denn das rosarot glueht besonders schoen in der Morgensonne. Dann geht’s raus aus der Stadt Richtung Osten nach Galta, einer kleineren Anhoehe mit nem kleinen Tempel drauf. Der gibt nicht besonders viel her aber die Aussicht auf die Stadt schon eher. Und Affen gibt’s hier massenweise. Gesehen habe ich nur hunderte aber es soll hier in den Waeldern mehr als 5000 geben. Die sind aber zum Glueck nicht gefaehrlich und an Menschen gewohnt. Ziemlich schnell wird klar, dass ich das Tuk-Tuk Taxi den ganzen Vormittag brauchen werde denn die Entfernungen sind gross. Also erhoehe ich mein Angebot auf 500 Rupee und er willigt ein. Aber das sind grade mal 7,41 Euro. Die kann ich mir noch leisten. Wie in jeder groesseren Stadt hat auch Jaipur ein Fort, genauer gesagt drei davon. Die fast 1000 Jahre alte Festung Amber ist besonders interessant weil es das groesste und beeindruckenste ist. Derzeit ist in Indien das „Durga Mata“ Hindu-Festival. Und weil heute Sonntag ist stroemen besonders viele Inder in den Tempel im Fort. Es sind bestimmt zehntausende die den fast 2km langen Weg bergauf Richtung Fort wollen. Und die stehen sogar artig in der Schlange. So ne lange Menschenkette habe ich noch nie gesehen. Eigentlich sind es 2 Ketten, denn wie ueblich in Indien ist alles nach Maennlein und Weiblein getrennt. Die Menschenkette der Frauen ist besonders schoen denn die sind alle in knalligen gelben, orangenen oder roten Saris gekleidet. Ein toller Kontrast zu der sonst eher kargen Umgebung. Einige Pilger bahnen sich den Weg sogar liegend bergauf. D.h. sie legen sich mit gestreckten Armen nach vorn auf den Boden, stehen dann auf und gehen dann bis zu der Stelle nach vorn wo ihre Haende den Boden beruehrten um sich dann wieder gestreckter laengs hinzulegen. Und das ganze 2km weit. Wuerde mich interessieren wie oft die unterwegs die durchgescheuerten Klamotten wechseln muessen. Unterwegs sind immer wieder kostenlose „Wasserstellen“ aufgebaut damit keiner der Wartenden umkippt. Dagegen haben es die Auslaender wie ich gut. Die muessen nicht Schlange stehen sondern koennen daran vorbeilaufen. Und das ist auch gut so. Drei Stunden anstehen bei der Hitze ist bestimmt kein besonderes Vergnuegen. Der Besuch des Jal Mahal Tempels, der Mitten in einem See liegt rundet das Vormittagsprogramm ab. Muss heute Mittag im Hotel auschecken denn um 17 Uhr geht’s mit dem Zug weiter nach Agra.
Von Jaipur nach Agra Der 12196 soll mich heute Abend in vier Stunden von Jaipur nach Agra befoerdern. Leider habe ich fuer diesen Zug keine Reservierung, sprich Schlafwagenticket mehr erhalten. Am Bahnsteig ist schon die Hoelle los. Und als der Zug dann langsam einfaehrt aber noch nicht zum Stehen gekommen ist, geht das Gehaue und Gesteche um die wenigen Sitzplaetze schon am Eingang der Wagen los. Waehrend der Zug noch faehrt springen schon die ersten rein auf die Menschenmenge die grade aussteigen will. Da wird mit harten Bandagen gekaempft. Wer alt oder schwach ist bleibt zurueck. Draengeln ist unbedingt angesagt. Einige sind ganz dreist und springen noch vor dem Zug auf das leere, gegenueberliegende Gleis, also nicht am Bahnsteig, um von dort auf den Zug aufzuspringen. Doch die Situation kenne ich ja jetzt schon und mit Muehe und etwas Gewalt kann ich sogar nen Sitzplatz ergattern, eingepfercht zwischen vielen Indern. Vier Stunden Stehen will ich mir heute Abend wirklich nicht mehr antun. Die Deutsche Bahn waere saniert wuerde sie nur einen Bruchteil der Personen befoerdern. Vorgestern dachte ich nicht, dass es noch schlimmer kommen kann im Zug. Und es kam schlimmer: Denn der 12196 ist ein Feierabend Bummelzug und haelt alle Viertelstunde an jedem noch so kleinen Bahnhof (wenn man ueberhaupt von Bahnhof reden kann). Aussteigen tut keiner, dafuer warten noch unzaehlige mehr am Bahnsteig um reinzukommen – Katastrophe !!! Schon am 2. Halt kann praktisch keiner mehr umfallen. Hoffentlich hat hier keiner Floehe. Wenn der Zug steht und kein Fahrtwind durch die vergitterten Fenster blaest kann man die stickige Luft schneiden. Zu Duschen und die Waesche zu wechseln vor der Fahrt war praktisch umsonst. Wenn man hier auf’s Klo muss dann geht das im wahrsten Sinne des Wortes in die Hose. Aber die Leute sind freundlich und wer nur ein bisschen englisch kann sucht das Gespraech mit mir. Am 3. Halt geht dann gar nichts mehr und die ersten steigen auf’s Dach der Wagen. Elektrifiziert ist diese Strecke nicht. Bedenken wie ich wieder rauskommen soll aus diesem „Viehwagen“ brauche ich wohl nicht zu haben denn die letzte Station ist Agra Fort mein Tagesziel. Gegen Ende der Fahrt haelt der Zug nochmals auf einem Ausweichgleis und wir warten ne gute halbe Stunde auf den Gegenzug der eingleisigen Strecke. Der rauscht vorbei aber danach tut sich wieder nichts. Nochmals 20 Minuten spaeter der naechste Gegenzug. Dann endlich rollen wir langsam sage und schreibe 500 Meter weiter und stehen im Bahnhof Agra Fort. D.h. der Zug hat ueber ne Stunde vor dem Bahnhof gewartet um einfahren zu koennen. ICH KRIEG DIE KRISE !!! Wenn ich das gewusst haette waere ich ausgestiegen und zu Fuss gelaufen! In Indien bekommt das Wort Bummelzug ne neue Bedeutung. Haette ich nur den Bus genommen. Dann waere ich 3 Stunden frueher da gewesen. Wenigstens die vom vorher reservierten Kamal Hotel holen mich vom Bahnhof ab.

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22.10.2012 - 34. Tag Agra und das Taj Mahal

Die Stadt Agra in Indien kennen wohl die wenigsten. Das sich dort befindende Mausoleum Taj Mahal dagegen jeder. Schon um halb sechs stehe ich auf. Die Eintrittskartenschalter machen um sechs auf und ab halb sieben kann man das Gelaende mit dem Taj besuchen (750 Rupees). Vor mir stehen einige die noch frueher aufgestanden sind. Ich kann’s kaum erwarten bis um 6:30 Uhr die Pforte oeffnet und ich kurz danach davor stehe. Da bleibt einem erst mal die Spucke weg, Augen und Mund weit geoeffnet und das Staunen ins Gesicht geschrieben. Habe nie zuvor ein so schoenes, imposantes, erhabenes und beeindruckendes Bauwerk gesehen. Es ist mit Worten und Bildern nicht zu beschreiben. Man muss es live gesehen haben um sich ein Bild davon zu machen. Es ist eine Grabstaette aus weissem Marmor und wurde vom Mogul Shah Jahan zu Ehren seiner verstorbenen Lieblingsfrau Mumtaz Mahal von 1632-1653 von 20000 Arbeitern erbaut. Sie war bei der Geburt ihres 14. Kindes gestorben. Er selbst wurde spaeter neben ihr in der Kruft beigesetzt. Die kostbaren Baumaterialien des Taj stammen aus ganz Asien. Es gilt als „Die Krone aller Palaeste“ und ist das Juwel der moslemischen Kunst in Indien. Natuerlich gehoert das Taj Mahl zum UNESCO Weltkulturerbe. Ganze vier Stunden habe ich mich dort aufgehalten. Die Farben der Marmorkacheln wechseln vor allem bei Sonneaufgang von grau nach rot und strahlend weiss.
Und natuerlich gibt es in Agra genau wie in jeder anderen groesseren Stadt in Indien ein . . . . . . Fort. Das schaue ich mir dann am Nachmittag an. Aber wenn man das Taj vorher gesehen hat interessieren die anderen Dinge drum herum eher weniger.

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23.10.2012 - 35. Tag Von Agra nach Delhi

Von der Dachterasse meines Kamal Hotels hat man ne schoene Sicht auf das Taj Mahal, also ist heute Fruehstueck mit Aussicht angesagt. Leider ist es bewoelkt und regnet leicht. Da kommt das Mausoleum nixht so gut zur Geltung. Gut dass ich gestern drin war und nicht heute. Nach dem Fruehstueck heisst es Abschied nehmen vom ach so schoenen Taj und mit dem Tuk-Tuk zum Bahnhof CANNT. Hier im kleinen Agra gibt es drei verschiedene Bahnhoefe, je nachdem wohin man fahren will. Und mein naechstes Ziel ist die Hauptstadt Delhi. Grade noch rechtzeitig habe ich mitbekommen, dass mein 12647 nicht am Gleis 2 abfaehrt wie zig mal angekuendigt sondern ploetzlich auf Gleis 3 einfaehrt. Das ging nochmal gut. Und nen Sleeper mit Platzveservierung habe ich auch. Endlich mal wieder entspanntes Zug fahren. Und schon drei Stunden spaeter rollt der 12647 im Bahnhof Nizamuddin in Delhi ein. Untergekommen bin ich hier im Guesthouse RINGO am Connaught Place im Stadtteil New Delhi.

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24.10.2012 - 36. Tag Stadtrundfahrt in Delhi

Habe heute nochmal die Unterkunft gewechselt. Das RINGO ist doch sehr heruntergekommen und liegt im Stadtteil Connaught Place. Da ist nicht sehr viel los. Die Backpackerszene aber ist nicht weit vom Hauptbahnhof in New Delhi entfernt, nur ein paar Hunder Meter. Ausserdem muss ich morgen Abend mit dem Zug weiter. Habe dort das Ajay Guesthouse gefunden. Kostet zwar etwas mehr als das RINGO ist aber mit 12 Euro immer noch recht guenstig. Kabel-TV und Wifi vorhanden. Und sehr sauber. Es ist wichtig in Indien dass wenigstens das Hotel sauber ist. Denn wenn man es verlaesst steht man praktisch mit einem Bein im Dreck und Unrat.
Delhi ist riesig. Weiss nicht wieviele Millionen Einwohner. Es teilt sich in Old Delhi und New Delhi. Zu Fuss kann man das nicht ablaufen um was von der Stadt sehen zu können. Es gibt hier aber nen „Hop On Hop Off“ Shuttle Bus Service der alle möglichen Sehenswuerdigkeiten alle 15 – 30 Minuten anfaehrt. Das Ticket ist mit 480 Rupees aber nicht grade guenstig. Trotzdem nehme ich den Bus, scheint mir die praktikabelste Moeglichkeit zu sein. Mein erster Stop ist am „Rajgath“. Hier am Ufer des Yamuna Flusses wurde am 31. Januar 1948, einen Tag nach seiner Ermordung durch einen hinduistischen Fanatiker, Mahatma Gandhi eingeaeschert. Man kann das Grabmal besichtigen. Gleich nebenan ist das Gandhi-Museum. Ich bin zwar absulot kein Museumsgaenger aber dieses lasse ich mir dann doch nicht entgehen. Es zeigt die Lebensgeschichte des Anfuehrers der indischen Unabhaengigkeitsbewegung. Sehr interessant. Nicht weit davon entfernt ist das Rote Fort von Old Delhi. Wer sich dafuer interessiert kann auch fuer 250 Rupees reingehen. Ich war drin aber um ehrlich zu sein, von aussen sieht es viel schoener aus, heisst die 250 haette ich mir auch schenken koennen. Und fast daneben findet man die groesste Moschee Delhis, die „Jama Masjid“. Aber auch da wollen sie 300 Rupee von mir nur um mal reinzuschauen und Bilder machen zu koennen. Aber da verzichte ich drau. Fotografieren kann man das auch von aussen. Ausserdem habe ich im Iran viel schoenere Moscheen gesehen. Und wenn man bedenkt dass die Inder keinen Eintritt bezahlen muessen dann ist das eigentlich Schiebung. Auslaender muessen generell etwa 20 mal soviel bezahlen! Der naechste Hop-On-Bus faehrt mich dann zum India Gate, dem Arc de Triomphe Delhis. Der wurde zum Gedenken der 90000 gefallenen indischen Soldaten des 1. Weltkireges gebaut. Da ist zielich viel los heute. Warum die Inder da wohl alle herpilgern ist mir schleierhaft. Denn ausser das Monoment anschauen und ein bisschen Tretbootfahren ist nichts geboten. Letzter Halt fuer heute ist dann der „Humayuns’s Tomb“. Ein Grab das vor etwa 500 Jahren zu Ehren des verstorbenen Moguls Humayun gebaut wurde.

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25.10.2012 - 37. Tag Von Delhi nach Varanasi

In News Delhi steht der sogenannte „Lotus Tempel“. Der heisst so, weil er aussieht wie eine Lotus Bluete. Gebaut aus Marmour, Zement, Dolomit und Sand. Ganz schoen gross das Ding. Und der steht offen zum Meditieren fuer alle Religionen. Und das Beste kommt noch: Die wollen nicht mal Eintritt kassieren, auch nicht von Auslaendern. Fast ein Novum in Indien. Und auch hier werden Busweise die Leute angekarrt, hauptsaechlich Inder. Gleich nebenan befindet sich der Iskcon Tempel, ein Hindu Tempel. Der sticht hervor wegen seiner ausergewoehnlichen Form. Dritter und letzter Stop fuer heute ist der „Lajpat Nagar“ Markt. Der liegt auf dem Weg zurueck zum Hotel.
Abends um acht geht’s dann zum nahegelegenen Bahnhof. TukTuk oder Taxi brauche ich diesmal nicht. Man kann ihn zu Fuss erreichen. Heute Nacht steht nochmal ne Mammutetappe in Indien an. Denn Varanasi, die voraussichtlich letzte Station, liegt etwa 1000 km suedoestlich von Delhi. Dafuer braucht der Nachtzug laut Plan 12 Stunden. Zweiter Klasse Schlafwagen habe ich reserviert. Auch diese Reservierung hat geklappt, denn mein Name steht auf der ausgehaengten Liste der Passagiere am Bahnhof. Schlafwagen 4, Platz 25. Als ich reinkomme sitzen da schon wesentlich mehr Leute rum als Platz haben, soviel ist schon jetzt klar. Irgendwann erklaert mir einer, dass viele hier auf „Warteliste“ mitfahren. Sprich die haben ein Ticket gekauft und hoffen, dass nicht alle reservierten Plaetze auch belegt sind. Und wenn das doch der Fall ist so wie hier dann bleibt denen nichts anderes uebrig als auf dem dreckigen Boden zu uebernachten. Und das sind nicht wenige. Mir jedenfalls ist’s egal. Ich habe meinen Schlafplatz. Aber auch diese Nacht geht mit mehr Schlaf als erwartet vorrueber.

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26.10.2012 - 38. Tag Ankunft in Varanasi

Relativ puenktlich mit nur ner halben Stunde Verspaetung laeuft der Zug in Varanasi ein. Varanasi ist die heilige Stadt am Ganges wo alle Inder nach Moeglichkeit ihre Toten verbrennen damit die direkt den Weg ins Nirwana finden. Nach laengerem Suchen bin ich dann im Ganpati Guesthouse untergekommen (wenn mann morgens ankommt hat man Zeit zum Suchen). Das liegt direkt am Fluss und von der Dachterasse hat man ne tolle Aussicht. Ist nicht ganz guenstig aber sehr sauber. Und das ist hier in Varanasi besonders wichtig. Denn die Strassen und Gassen der Altstadt sind aehnlich wie die in Jodhpur sehr eng und schmal. Und mindestens genauso dreckig. An manchen Stellen kommen nicht mal die Mopeds durch, Autos schon mal gar nicht. Und auch fuer Tuk Tuks ist die Altstadt gesperrt. Ach ja . . . und Affen gibt’s hier im Guesthouse, genauer gesagt in der Altstadt, auch viele. Die machen alles unsicher, und werden immer wieder von den Hotelangestellten vertrieben. Aber der Gang in die Kueche wo die Bananen liegen ist nur allzu verlockend. Manche Kinder versuchen sie mit ner Steinschleuder zu treffen was denen natuerlich nicht behagt.

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27.10.2012 - 39. Tag Varanasi

Varanasi, eine der heiligsten Hindustaedte Indiens, liegt am Ganges Fluss und ist seit dem 6. Jahrhundert vor Christus ununterbrochen bewohnt. An den Ufern der Stadt sind ueber mehrere Kilometer verteilt aehnlich wie in Pushkar sehr viele sogenannter „Ghats“ platziert. Ghats sind Treppen die vom Ufer direkt runter in den Fluss fuehren. Und es gibt unterschiedliche Typen von Ghats. Zum einen die, an denen die abertausenden Pilger und Wallfahrer hier sich taeglich hinduistischen Ritualen unterziehen und sich die Seele reinwaschen im heiligen Ganges. Und so wie der Fluss fuer die einen das Lebenselexier bedeutet, bedeutet er fuer die Toten die Erloesung. Wer hier stirbt kommt sofort ins Nirwana. Deshalb gibt es hier jede Menge Hospize in welchen die Sterbenden aus ganz Indien gebracht werden (sofern man sich das leisten kann). Die verbringen hier die letzten Tage ihres Lebens um danach verbrannt zu werden. Denn nur wer verbrannt wird gelangt ins Nirwana. So eine Verbrennung ist natuerlich nicht grade guenstig. Abhaengig vom der Art des verwendeten Holzes ist die Einaescherung vollstaendiger oder nicht, sprich mit mehr Ueberresten. Ein Kilo teuren Tropenholzes kostet 200-300 Rupees. Und fuer eine Verbrennung werden etwa 300 kg benoetigt. Das kann sich natuerlich nicht jeder Inder leisten. Fotografieren ist am Krematorium strengstens untersagt. Erst gestern haetten sie beinahe einen Russen gelyncht der das missachtet hat. Beteiligt man sich jedoch in einem nicht unerheblichem Masse an den Kosten der Einaescherung, dann kann man auch Bilder machen. Habe heute frueh zum Sonnenaufgang ne Bootstour auf dem Ganges gemacht. Wenn man weiter weg ist vom Verbrennungsghat kann man unbeobachtet auch fotografieren. Jedenfalls werden die Toten hier fast im Minutentakt mit grossem Gefolge durch die Strassen zum Ganges getragen wo sie zuerst mit heiligem Wasser benetzt werden bevor sie auf den Scheiterhaufen kommen. Am Leichentuch kann man erkennen um was fuer ne Person es sich gehandelt hat. Bei einem roten Tuch beispielsweise handelte es sich um ein junges Maedchen. Nach der Verbrennung wird dann die Asche ueber dem Ganges verstreut. Die Feuer der Krematorien gehen praktisch nie aus. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Die Hindus leben im Kastensystem und werden dementsprechend auch je nach Kaste in 3 verschiedenen Kategorien verbrannt. D.h. die niedrigste Kaste wird direkt am Flussufer verbrannt, waehrend die oberste Kaste etwas weiter oben, naeher am Nirwana eingeaeschert wird. Aber nicht jeder Hindu darf verbrannt werden, z.B. Schwangere, Kinder und Leprakranke werden mit Steinen beschwert und dann die Leiche in der Mitte des Ganges versenkt. Einen nepalesischen Pilger haben wir waehrend der Tour am Ufer des Flusses aufgegabelt. Der hatte einige leere Kanister dabei. Die haben wir dann in der Flussmitte mit Gangeswasser gefuellt damit er ein wenig heiliges Wasser mit nach Hause bringt. In den durchsichtigen Plastikkanister sieht man erst richtig wie unrein das Wasser ist. Schwer einzuschaetzen wo der meiste Dreck herkommt: Von den Abwaessern, den badenden Rindviehchern, den versenkten Toten oder von den Fabriken flussaufwaerts die jede Menge Schwermetalle einleiten. Drin baden moechte ich jedenfalls nicht.
Im Gassengewirr der Altstadt von Varanasi, also direkt am Fluss kann man sich durchaus verlaufen (ist mir heute mehrfach passiert). Die 3-4 stoeckigen Haeuser stehen so eng aneinander dass manchmal grade noch 2 Personen aneinander vorbeikommen. Nach dem Sonnenstand kann man sich auch nicht richten denn Sonne kommt da nicht rein. Am besten man fragt wo es zum Fluss geht: „Ganga ?“ ist das Stichwort. Und von dort findet man dann wieder heim. Das Polizeiaufkommen in Varanasi ist extrem hoch. An jeder Strassenecke stehen oder sitzen einige herum. Und die tragen alle geladene Gewehre mit sich herum. Nicht mal am Taj in Agra habe ich so viele gesehen.

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28.10.2012 - 40. Tag Von Varanasi nach Gorakhpur

Also Indien ist wirklich KRASS. Aber Varanasi ist die Steigerung davon. Alles was man in Indien erleben kann, erlebt man mit Sicherheit in Varanasi. Der einzige Ort in Indien wo Tod und Leben so nahe beieinanderliegen. Und das alles nur wegen des heiligen Flusses Ganges. Innerhalb von nur 20 Metern baden sowohl Rinder als auch Menschen darin und die Waesche wird auch darin gewaschen, sofern das ueberhaupt moeglich ist. Und in der Flussmitte wird die Asche der Toten verstreut. In den engen Gassen der Altstadt wuseln die hinduistischen Pilger. Manchmal ist selbst zu Fuss kaum ein durchkommen. Und die Mopeds fahren auch noch durch, verpesten die Luft und hupen ununterbrochen weil sie natuerlich nicht durchkommen. Dazu noch die vielen Rindviehcher die noch die Gassen versperren und ihren Dreck hinterlassen. Also hier ist wirklich was geboten. Ausserdem wusste ich gar nicht, dass ich hier in Indien so viele Freunde habe. Alle paar Meter wird man hiier mit „Hello Friend!“ angesprochen. Wirkliche Freunde sind das nicht obwohl jeder nur mein Bestes will, naemlich mein Geld.
Aber damit ist heute Schluss denn um 17 Uhr faehrt mein Zug nach Gorakhpur. Das liegt noerdlich von Varanasi, nicht weit von Nepal entfernt. Nepal wird das naechste Reiseland werden und die Hauptstadt Kathmandu das naechste Ziel. Habe heute mal etwas mehr Geld ausgegeben fuer eine Fahrkarte 1. Klasse. Kostenpunkt 15 Euro. Die Fahrt dauert 5-6 Stunden. Bin noch nie 1. Klasse in Indien gefahren und deshalb gespannt auf die Luxusklasse. Das Ticket habe ich noch schnell heute frueh am Bahnhof am Tourieschalter gekauft. Der 15007 laeuft fuer indische Verhaeltnisse fst puentklich mit 20 Minuten Verspaetung im Bahnhof Varanasi ein. Die 1. Klasse ist tatsaechlich einiges besser als die 2. Klimatisierte 4-Bett Kabinen mit viel Raum und etwas bequemeren Lederpritschen aber natuerlich noch weit von unserem Standard enfernt. Und man bekommt sogar ein Kissen und ne Decke zum pennen. Mit mir im Abteil sitzt ein juntges hollaendisches Paerchen die ebenfalls nach Nepal wollen. Um 23 Uhr laeuft der 15007 dann in Gorakhpur ein.
Nepper, Schlepper, Bauernfaenger Von Gorakhpur bis nach Sonauli an der nepalesischen Grenze sind es noch 3 Stunden mit dem Local Bus. Die stehen auch schon um die Ecke des Bahnhofs bereit. Ich dachte die Sache mit den aufdringlichen Indern waere jetzt endlich durch. Doch da steht schon wieder so ein ueberfreundlicher, schmieriger Typ herum der uns in gutem englisch anspricht und seine Dienste anbieten will. „Man muss hier in der Gegend aufpassenweil die Leute einen immer reinlegen wollen“, sagt er.   Das ist was faul! Der will selbst nach Sonauli fahren, zeigt uns den Bus und will mit den Fahrkarten helfen, da der Schaffner im Bus kaum englisch spricht. Spaeter hat sich dann herausgestellt, dass wir seine Fahrkarte mitfinanziert haben. Das erste Mal dass ich richtig wuetend werde auf der Reise. Beinahe haette ich die 68 Rupee aus ihm herausgepruegelt. Kleinlaut hat er das Geld dann doch zurueckgegeben.

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