Wien/Balkan 2012

19.09.2012 - 1. Tag: Anfahrt nach Wien

Schon frueh um 06:54 Uhr geht der Zug von SHA-Hessental ueber Crailsheim nach Nuernberg und von dort mit dem ICE21 weiter nach Wien. Mit dem Sparpreis der DB kostet das grade mal 59.- Euro. Als ich im Zug sitze wird mir die Tragweite des Vorhabens so langsam bewusst: Ueber 3 Monate lang nicht arbeiten gehen – wie soll ich das nur durchstehen?! Den Grenzuebertritt nach Oesterreich bemerkt man eigentlich nur noch an der Unifrom und dem Akzent des Bahnpersonals.
In Wien angekommen besorge ich mir erstmal ein 72-Stunden-Ticket mit der U-Bahn. Das ist mit 14.50.- Euro erstaunlich guenstig. Mit dem fahre ich zur Dampfgasse am Suedtiroler Platz wo sich meine vorher gebuchte Unterkunft, das Vienna City Hostel, befindet. Wegen der Preise hier wird es kein Einzel- sondern ein Vierbettzimmer. Alles sehr sauber,sicher und relativ neu. Bis zum Abend scheint es so, als sei ich der einzige Gast in Zimmer 114, gegen spaeter sind dann doch alle Betten „multikulturell“ belegt. Ausser mir als einzigem Deutschsprachigem pennt hier noch ein Serbe, ein Kolumbianer und ein Iraker. Von dem interessiert mich die derzeitige Sicherheitslage in seinem Heimatland. Frueher sei es sehr gefaehrlich gewesen sagt er. Da gab es alle 4 Tage einen Bombenanschlag. Jetzt aber ist es sicher, nur noch ein Anschlag in 4 Wochen.. Seine Einladung durch den Irak zu reisen anstatt dem Iran lehne ich dann doch dankend mit der Begruendung ab, erst dann dorthin zu reisen wenn die Statistik auf einen Anschlag in vier Jahren gesunken ist.
Einzuschlafen wird trotz 2 Bier schwierig da meine 3 Mitbewohner saemtlich die Saege ausgepackt haben und munter Baeume faellen. Ich glaube das lauteste Schnarchen kommt aus Richtung Baghdad. Als ich nachts dann doch mal aufwache ist ploetzlich der Kolumbianer samt Gepaeck verschwunden; Ich hoffe er hat nur seine Sachen mitgenommen, was sich am anderen Morgan auch bestaetigt. Er war nur Joggen gegangen mitten in der Nacht.

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20.09.2012 - 2. Tag: Sightseeing in Wien

Beim Fruehstueck treffe ich meinen Iraker wieder. Der ist trotz der naechtlichen Ruhestoerung sehr freundlich und gibt mir ein paar nuetzliche Tipps zum Iran. Heute steht Sightseeing auf dem Programm.Los geht’s am Wahrzeichen Wiens, dem Stephansdom. Auf den 133 m hohen Suedturm gelangt man fuer 3.50.- Euro ueber 343 Wendeltreppenstufen. Die Aussicht entschaedigt jedoch. Zumal heute Kaiserwetter ist: Sonnenschein und stahlblauer Himmel. Hofburg mit der spanischen Reitschule, Parlament und Rathaus folgen. Am Ende der Kaerntner Strasse befindet sich das Hotel Sacher mit der gleichnamigen bekannten Torte. Und direkt gegenueber die Wiener Staatsoper. Dass in der Kaertner Strasse „aaner Blowing in the Wind“ singt (Fuerstenfeld) halte ich fuer ein Geruecht. Habe nichts gehoert. Die Ankeruhr im Stadtzentrum soll wohl auch sehr bekannt sein nach dem Touristenauflauf einzuschaetzen. Nachmittags fahre ich denn mit der U1 zum Vergnuegungspark Prater. Die Eintrittspreise fuer das bekannte Riesenrad (9.- Euro) und das Wachsfigurenkabinett von Madame Taussot (18.50.- Euro) erscheinen mir gnadenlos ueberteuert. Fuer eine Fuehrung im UNO Gelaende auf der anderen Donauseite ist es heute schon zu spaet. Und so sehe ich mkir auf dem Rueckweg noch das bekannte Hundertwasserhaus an. Das koennte jedoch dringend einen neuen Anstrich gebrauchen.
Zurueck im Vienna City Hostel faellt auf, dass ich 3 neue, juengere Zimmergenossen bekommen habe. Die Maenner vom Saegewerk sind also abgerueckt. Warum auch noch bleiben – der Wienerwald ist ja jetzt gefaellt! UND: Die Nacht verlaeuft aeusserst ruhig und erholsam.

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21.09.2012 - 3. Tag: Schloss Schoenbrunn

Meinen letzten Tag in Wien widme ich dem Schloss Schoenbrunn, der Sommerresidenz der kaiserlichen Hoheiten frueherer Zeiten. Hier wimmelt es nur so von Touristen, hauptsaechlich Auslaender (aber halt, ich bin ja hier auch einer). Auf eine Fuehrung im Inneren verzichte ich, nicht nur wegen der langen Warteschlange an der Kasse sondern auch wegen des schoenen, sonnigen Spaetsommerwetters. Ausserdem kann man das Schloss und die Parkanlagen von Aussen kostenfrei besichtigen. Ein spaetes Mittagessen gibt’s dann am Ufer der Donauinsel.
Abends um 19:30 Uhr steht ein ganzer Reisetag auf dem Programm: Busfahrt von Wien nach Istanbul. Das Ticket habe ich bereits vor 2 Wochen uebers Internet bei Bosfor Reisen gebucht (www.bosfor.at). Fuer 125.- Euro in 22 Stunden nach Istanbul. Her Deniz Goenuel in dessen Reisebuero ich das Ticket bereits vorgestern abgeholt habe, erwartet mich schon am Busbahnhof. Der Bus der Reisegesellschaft varan ist auch schon da. Der hat in ganz Oesterreich Mitreisende aufgegabelt. Ich bin der letzte Passagier. Der grosse, relativ moderne Reisebus ist gluecklicherweise nur mit 20 Personen besetzt sodass ich mich breit machen kann. Ich bin (natuerlich) der einzige Nichttuerke im Bus. Vor mir sitzen zwei junge Tuerkinnen die sich mal auf tuerkisch mal in oesterreichischem Dialekt unterhalten: Hoert sich irgendwie ulkig an. An der Grenze rein nach Ungarn gibt’s keine Kontrollen. 5 Stunden spaeter raus Richtung Serbien schon. Ein dicker, aufgedunsener ungarischer Grenzbeamter geht durch den Bus und schaut sich die Paesse an. Die der tuerkischen Tuerken nimmt er mit, die der oesterreichischen Tuerken will er nur sehen. Meinen immt er auch mit. Wenig spaeter nach Erhalt der Paesse dann die Einreise nach Serbien. Der Busfahrer (in Oesterreich Buslenker) oeffnet seitlich eine Klappe und packt Essen, Alkohol und Zigaretten in eine Plastiktuete um sie den Grenzbeamten als Geschenk mitzubriingen. Das erleichtert die Formalitaeten. An der bulgarischen Grenze ist das noch viel schlimmer erzaehlt mir ein Mitreisender. Wir fahren durch Serbien und nicht durch Rumaenien da es 200 km kuerzer nach Istanbul ist. Ausserdem sind die Strassen besser und der Sprit billiger. An der Tanke decke ich mich noch mit Wasser und was zum Beissen ein. „Burek“ heisst hier das Nationalgericht. Eine Art Fleischpastete in Blaetterteig. Schmeckt auch ganz gut.

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22.09.2012 - 4. Tag: Busfahrt durch den Balkan

Morgens um 9 erreichen wir die Grenze von Serbien nach Bulgarien, also wieder rein in die EU. Die Serben machen bei der Ausreise keine Probleme, bei den Bulgaren muessen wir raus aus dem Bus zur Einzelkontrolle. Eine Geschenktuete fuer die Grenzer verkuerzt auch hier die Wartezeit. Ohne „Bakshish“ kann es meherer Stunden dauern und der Bus und das Gepaeck wird auf den Kopf gestellt. Kaum zurueck in der EU werden auch schon die Strassen schlechter. Selbst die Autobahnen sind holprig in Bulgarien. Ploetzlich und unerwartet halten wir am Seitenstreifen an. Grund ist eine fingierte Polizeikontrolle. Und wieder oeffnet der Buslenker die Seitenklappe. Ich hoffe nur, ihm geht das Material fuer die Geschenke nicht aus. Der Chef des Busunternehmens, der ebenfalls mitfaehrt, zueckt schon den Geldbeutel und zieht ein paar Scheine heraus. Ob und wieviel Geld geflossen ist habe ich nicht gesehen. Die mitreisenden Tuerken sind allesamt freundlich und zuvorkommend. Einer kommt sogar aus Bayern und hat einen deutschen Pass. Ein anderer bietet mir was zu Essen an: „Kollege ! Zwetschgen !“. Da sage ich nicht nein. Mit den beiden vor mir sitzenden Maedels unterhalte ich mich bestens. Je laenger wir fahren, desto mehr kommt man mit den Leuten hier ins Gespraech und desto mehr hat die Reise nach Istanbul den Charakter einer lustigen Kaffeefahrt. Gegen 16 Uhr Ortszeit (Uhr eine Stunde vorstellen) kommen wir dann an der tuerkischen Grenze an. Als Deutscher muss ich im Gegensatz zu den Oesterreichern nicht mal ne Visagebuehr bezahlen. Am Duty Free ist auch ein Geldautomat sodass ich mich gleich mal mit tuerkischen Lira eindecken kann. Die Stimmung im Bus wird merklich besser, da jetzt alle, ausgenommen ich, in ihrem Heimatland zurueck sind.

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